Integrierte Kameras in Sportbrillen

© kalafoto - Fotolia.com

© kalafoto - Fotolia.com

 Snowboarden, Tauchen, Klettern: Viele Sportarten erlauben es nicht, das Erlebnis selbst mit einer Kamera in der Hand festzuhalten. Für alle, die Freunden und Bekannten trotzdem das Abenteuer nicht vorenthalten wollen, gibt es jetzt eine praktische Lösung: die Firma Liquid Image hat Brillen mit integrierter Kamera auf den Markt gebracht. Die neuen Modelle stellt das Unternehmen auch auf der internationalen Messe CES (Consumer Electronics Show) vor.

Ein Brillen-Modell ist speziell für den Einsatz unter Wasser entwickelt worden, die so genannte Scuba Series HD 1080p. Für Snowboarder ist die Apex HD gedacht und für Sportarten im Gelände die Torque HD. Speziell wiederum für die Montage auf einem Fahrrad ist eine Kamera mit dem Namen Ego, da dieses Modell eine passende Halterung gleich inklusive hat.

Zur HD-Technik: Die integrierten Kameras sind mit einem Sensor mit einer Auflösung von zwölf Megapixeln ausgestattet und machen somit Aufnahmen mit 1.080p möglich. Das entspricht einer Full-HD-Qualität mit 30 Bildern pro Sekunde. Diese Rate kann aber noch bis auf 60 Bilder pro Sekunde erhöht werden. Die Aufnahmekapazitäten entsprechen standardmäßig einer Größe von vier Gigabyte. Nutzer können zudem eigene Speicherkarten mit bis zu 32 Gigabyte Kapazität einsetzen.

Weitere Finesse ist eine WLAN-Ausstattungen (außer bei dem Taucher-Modell). Damit können sich die Bilder direkt angeschaut werden. Die Snowboardbrille und die Geländesportbrille verfügen außerdem über ein GPS-Modul. Je nach Modell soll die Ladezeit der integrierten Akkus bis zu 2,5 Stunden reichen. 

Wer sich so ein neues Brillenmodell nun auf dem deutschen Markt zulegen möchte, muss sich aber noch ein wenig gedulden. In den USA hat die Markteinführung bereits stattgefunden. Hierzulande sollen die Modelle Ego und Torque HD ab Juni 2012 erhältlich sein. Die Apex HD ist erst für den Oktober dieses Jahres angekündigt. Nach Dollar-Preisen liegen die Kosten je nach Modell bei 150 US-Dollar für die Ego und 400 US-Dollar für die Torque HD sowie die Apex HD.

Mietobjekt für Fotostudio finden

Fotostudio © Foto-Ruhrgebiet - Fotolia.com

Fotostudio © Foto-Ruhrgebiet - Fotolia.com

Fotografieren wird immer beliebter, in der Freizeit hat man immer irgendwie eine Kamera dabei, wenn auch nur im Handy integriert. Wenn man das Hobby zum Beruf gemacht hat, fällt oft die Suche nach einem Atelier an.

Der Markt für Gewerberäumlichkeiten ist mit dem Aufkommen überregionaler Suchportale für Immobilien deutlich in Bewegung geraten. Bei der Suche nach einem geeigneten Mietobjekt für ein Fotostudio sollte man also schnell fündig werden. Allerdings sollte man dabei natürlich auch nicht das nächstbeste Angebot annehmen, sondern auf einige Faktoren achten. Vor allem, wenn das Fotostudio auf Laufkundschaft setzt, ist eine gute Lage sehr wichtig. Optimal ist, wenn das Studio in einer Einkaufsstraße oder sonstigen sehr belebten Straße gelegen ist. Wenn das Fotostudio eher auf Werbe- oder Industriekunden ausgerichtet ist, sollte eine gute Verkehrsanbindung gegeben sein, nahe oder in einem Gewerbegebiet liegen und es sollten auch ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen.

Dann sollte man sich die Räumlichkeiten genau ansehen, vor allem die Deckenhöhe ist wichtig. Wenn bei Ganzkörperfotografie ein Hintergrundsystem aufgehangen werden soll, ist eine Mindestraumhöhe von 3 Metern ratsam. Die Länge des Raumes sollte eine ausreichende Aufnahmeentfernung ermöglichen und die Breite sollte Platz für die Blitzstative bereit halten. Wenn größere Objekte, wie etwa Autos fotografiert werden, sind natürlich größere Maße erforderlich. Bezogen auf die Fenster muss jede_r Fotograf_in selbst entscheiden, ob mit Tageslicht gearbeitet werden soll, also große Fenster bevorzugt werden, oder ob man die Fenster eh abkleben wird.

Eine Klimaanlage ist dann sinnvoll, wenn das Studio durch die Lichter besonders schnell aufgeheizt wird und nur schlecht gelüftete werden kann. Die Lage im Erdgeschoss mit großem Eingang kann deutliche Vorteile bieten, wenn mit großen, sperrigen Objekten gearbeitet wird. Mindestausstattung ist ein Waschbecken und eine Toilette. Letztendlich muss also individuell nach Ansprüchen entschieden werden, was man braucht und natürlich auch, was man sich leisten kann.

Nackheit als Rebellion

© Axel Lauer - Fotolia.com

© Axel Lauer - Fotolia.com

Das Jahr 2011 ist das Jahr der Rebellion. Es wird demonstriert und gekämpft. Freiheit steht an erster Stelle. Nun unterstützen Menschen die Ägypterin Alia al-Mahdi und den Chinesen Ai Weiwei auf eigene besondere Art und Weise – nackt. 

Bislang bestehen zwei Aktfotografien, die nicht überall positive Reaktionen auslösen. Die ägyptische Bloggerin Alia Magda Al-Mahdi und der chinesische Künstler Ai Weiwei haben Nacktaufnahmen von sich und anderen Menschen online gestellt.  Der Künstler und die Unabhängigkeitskämpferin wurden sowohl bedroht als auch verhört. Neben der Empörung ernteten die Beiden auch Solidarität, indem Menschen aus der ganzen Welt Nacktfotos von sich selbst ins Internet setzten. 40 Israelinnen zogen ihre Kleider aus und machten Nacktaufnahmen von sich, die sie öffentlich machten. Auf einem Banner stand in arabischer, hebräischer und englischer Sprache: ‘Love without Limits. Homage to Aliaa Elmahdi. Sisters in Israel.’ Im Hintergrund der Fotografien hing ein Plakat, auf dem folgender Satz zu sehen war: ‘ Show you are not afraid!’  Übersetzt heißt dies: ‘Zeige, dass du keine Angst hast!’

Ausgedacht hat sich Rudolph W. Giuliani diesen Satz des Protestes. Im Jahr 2001, nach dem Attentat auf die Twin-Towers, forderte der ehemalige Bürgermeister von den Menschen, sie sollen keine Angst haben oder zeigen. Er forderte die Menschen auf in Freiheit zu leben und sich diese durch einen Terroranschlag nicht nehmen zu lassen. 

Das Plakat ist von Mikael Mikael nun online gestellt worden. Jeder kann diesen Satz ausdrucken,  dokumentieren und wieder hochladen. Es geht um Aufmerksamkeit, darum, seine Meinung öffentlich kund zu tun und die Gesellschaft zu bewegen. Es gab bereits Aufnahmen des Neubaus des Bundesnachrichtendienstes aus Berlin und im Olympiadorf in München. Alles Orte, die Zweispalt erwecken. 

Die Nacktheit der Bilder zeigt die Verletzlichkeit und die Intimität der Menschen dar. Es scheint nicht neu zu sein, seine Nacktheit im Protest auszudrücken, doch im Gegensatz zu den Aktionen der ukrainischen Frauengruppe Femen, die sich auf öffentlichen Plätzen auszieht, um für Frauenrechte zu kämpfen, begeben sich Al-Mahdi und Weiwei damit in Lebensgefahr. 

Nikon 1 V1 im Test

Die Digitalfotografie ist seit Jahren im Kommen. Was können die neuen Modelle, was die Digitalkameras erster Stunde noch nicht konnten? Hier nun einiges zur Nikon V1, der großen Schwester der beliebten Nikon J1.

Beide Kameras weisen wenig überraschend ziemlich vergleichbare Ergebnisse auf, schließlich arbeiten sie auch mit demselben Sensor mit 10 Megapixeln und demselben 10 bis 30 Millimeter Zoom. Die Unterschiede zwischen kleiner und großer Schwester betreffen also nicht die Bildqualität, sondern die Ausstattung. Auflösung, Schärfe, Vignettierung, Verzeichnung und Farbsäumung sind dieselben. Damit stellt sich Nikon gegen den Trend vieler namhafter Hersteller, die ihre Einsteigerkameras meist knackiger abstimmen als die Experten-Geräte.

Grenzen der Bildqualität fallen bereits ab ISO 400 auf: Die Rauschunterdrückung muss einige Helligkeits- und Farbfehler ausgleichen. Auch die Korngröße ist überraschend groß. Bis ISO 800 lassen sich die Bildungenauigkeiten mit der Rauschunterdrückung hinnehmen, natürlich mit teils verfälschten Farben und einem ungenauen Weißton.

Noch problematischer wird es, wenn mit einem großen Objektiv gearbeitet wird – der Zehnfachzoom 1-Mount VR 10-100 4.5-5.6 PD-Zoom etwa. Dieses riesige Objektiv benötigt bei einer so handlichen Kamera wie der Nikon V1 oder J1 meist noch ein Stativ – dabei zeigt Nikon eine deutliche Schwäche, nämlich kein vorhandenes Stativgewinde am Objektiv. Stattdessen muss meist noch ein passender Adapter gekauft werden, der dann zwischen Stativ und Kamera geklemmt wird. Besonders unbefriedigend bei der Zusammenarbeit von Nikons Digitalkameras und einem Zoom-Objektiv ist die Verzeichnung – im Weitwinkel beträgt sie gerade noch hinnehmbare 3 Prozent, spätestens bei mittlerer Breite kippt die Verzeichnung in eine sehr deutliche und störende Kissenform und im Telebreich beträgt sie viel zu hohe 2,5 Prozent. Auch die Farbsäume des Objektivs ist mit ein bis zwei Pixeln Umfang viel zu grob, vor allem, da die Nikon J1 nur eine Auflösung von 10 Megapixeln aufweist. Wer also mit der Nikon mit Objektiven arbeiten will, sollte vorsichtig sein und im Vorfeld klären, ob die gewünschten Objektive überhaupt gemeinsam mit der Kamera harmonieren.

Die US-Konzeptkünstlerin Taryn Simon

Taryn Simon, Foto von Hubert Burda Media/flickr.com

Taryn Simon, Foto von Hubert Burda Media/flickr.com

Die US-Konzeptkünstlerin Taryn Simon stellt zurzeit in der Neuen Nationalgalerie in Berlin ihr neustes Werk aus. Dabei handelt es sich um den Fotozyklus “A Living Man Declared Dead” welchen sie sich über 4 Jahre lang erarbeitete. Dabei zeigt sie in 18 Kapiteln mit Hilfe von Fotos und Texten verschiedene Geschichten auf der ganzen Welt. 

Unter anderem geht es zum Beispiel um Menschen in Tansania, die aufgrund einer Erbkrankheit als Albinos gelten. Diese werden von den anderen Menschen gejagt, da ihre Körperteile und Organe als magisch gelten und heilige Kräfte haben sollen. Bei einem anderen Kapitel geht es um Kaninchen. Genauer gesagt um die Kaninchen welche 1859 zu Jagdzwecken nach Australien gebracht wurden und sich dort unerwarteter Weise explosionsartig vermehrten. Nun sollen selbst gezüchtete Viren dafür sorgen, dass die Kaninchen sterben und man somit die Population kontrollieren könne. Ein drittes Beispiel dürfte zugleich der Namensgeber für die Ausstellung sein. Dabei handelt es sich um einen Mann welcher bei einer öffentlichen Grundbucheintragung stutzt, da er genau wie seine beiden Brüder schon lange für tot erklärt ist. Grund dafür war die Habgier seiner Verwandten, welche einfach mehr erben wollten und sie somit auf dem Papier aus dem Weg schafften.

Diese und noch 15 weitere Geschichten sind nun in Berlin vom 22. September bis 1. Januar 2012 zu bestaunen. Das erstaunlichste an den Bildern ist, dass Simon nicht etwas versucht zu schockieren, sondern viel mehr beiläufig durch ihre nüchternen Fotos aufklären möchte um somit den Menschen zu zeigen wie es auf der Welt unter anderem zugeht.

Diese Ausstellung ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Ein weiterer Grund dafür ist, dass Simon diese Studie über 4 Jahre betrieb und somit bei allen Geschehnissen über einen längeren Zeitraum bzw. mehrmals anwesend war und somit auch tatsächlich einen Einblick in diese Welt bekam.

Die Fotoschau ‘Weltbilder’

Bis zum 13. November 2011 haben Kunst- und Fotografie-Begeisterte noch die Möglichkeit, im Helmhaus Zürich die vierte Ausgabe der Fotoschau „Welt-Bilder“ zu besuchen. Seit vergangenem Freitag läuft die Austellung bereits, die Fotografien von Darren Almond, Edward Burtynsky, Georg Gatsas, Aglaia Konrad, Uriel Orlow, Beat Streuli, Mette Tronvoll und Ester Vonplon zeigt. Das Helmhaus liegt mitten in der Züricher Innenstadt und widmet sich zeitgenössischer Kunst, hauptsächlich von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern oder von Kunstschaffenden, die in der Schweiz leben. Montags ist das Museum geschlossen, sonst immer zwischen 10 bis 18 Uhr geöffnet, Donnerstags sogar bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zahlreiche Führungen, Gespräche, Filmabende und Konzerte begleiten die „Welt-Bilder“. Auch für Kinder gibt es spezielle Führungen mit praktischen Teilen zum Mitmachen.

Seit 2005 präsentieren die Kuratoren Andreas Fiedler und Simon Maurer die Austellungsreihe, die handverlesene Fotokünstler zur Schau stellt. Dabei geht es sowohl um eine Geschichtsschreibung durch Fotografien, als auch um die persönliche Bildsprache und das Weltbild der Künstler. Dabei stehen eher subtile Werke im Mittelpunkt: Diese wirken jedoch häufiger effektiver und machen erheblich betroffener, als großformatige Katastrophen-Bilder.

Den Auftakt zur Austellung setzt der kanadische Fotograf Edward Burtynsky mit einer Fotografie einer australischen Silbermine. Seit drei Jahrzehnten widmet er sich bereit der Gewinnung von Rohöl, die langsam unseren Planeten zerstört: Er fotografiert Abbaugebiete, Fabrikationsbetriebe und Müllhalden.

Beaut Streulis zeigt Autofahrer in Rotlicht-Vierteln: Distanziert, fast unmenschlich wirken seine Figuren. Die Österreicherin Aglaia Konrad verzichtet gänzlich auf Menschen und fotografiert urbane Wüstenlandschaften: Fast erdrückt wird man von den häßlichen Entwürfen einfallsloser Stadtplaner und dem überall vorherrschenden Betonklötzen. 

Bündner Castrich wurde kürzlich von der „EWZ-Fotoselection“ ausgezeichnet und ist mit Aufnahmen von verlassenen Hütten dabei. Ähnlich beeindruckende Fotografien stammen vom Züricher Uriel Orlov, der eine von einem Erdbeben zerstörte armenische Stadt vor die Linse nimmt.

Der Fotograf Arno Fischer

Quelle: johann_wolfgang/Flickr.com

Quelle: johann_wolfgang/Flickr.com

Der Berliner Fotograf Arno Fischer ist tot: Er verstarb am Dienstag, den 13. September, im Alter von 84 Jahren. Gemeinsam mit seiner Frau Sibylle Bergemann, die im letzten Jahr verstorben ist, und dem seit drei Jahren toten Roger Melis gehört er zu den bedeutendsten Fotografen der ehemaligen DDR. Bis zu seinem Tod blieb der gebürtige Berliner seiner Leidenschaft, der Fotografie, treu: Er arbeitete an der privaten Fotoschule „Fotografie am Schiffbauerdamm“, die er gemeinsam mit seiner Frau kurz nach dem Mauerfall gegründet hatte, und in der Ostkreuzschule für Fotografie.

Nach dem zweiten Weltkrieg studierte Fischer zunächst Bildhauerei, entdeckte aber Ende der 50er Jahre sein Interesse an der Fotografie. Ausschlaggebend dafür sollen die Ausstellung „Family of Man“ von Edward Steichen und das Buch „The Americans“ von Robert Frank gewesen sein. Obwohl er nie eine Ausbildung oder ein Studium in Fotografie absolvierte, wurde Fischer schnell berühmt und machte sich einen Namen in der Szene. Er arbeitete für die halblegale Zeitschrift „Das Magazin“, das es meist nur unter dem Ladentisch gab und viele künstlerisch orientierten Fotografen der ehemaligen DDR zusammenbrachte. Er steuerte auch Aufnahmen für das Modemagazin „Sybille“ bei, das einen hohen ästhetischen Anspruch an seine Fotografen stellte. Auch nach dem Mauerfall blieb er seiner Heimatstadt treu und konnte endlich seinen Bildband „Situation Berlin“ veröffentlichen, was unter dem politischen Druck in der ehemaligen DDR unmöglich gewesen war.

Da sich Fischer von offener Kritik am DDR-Regime zurückhielt und eher versuchte, seinen eigenen Realismus zu finden, kam er unter anderem in den Genuss, den gesamten Ostblock und schließlich auch die Bundesrepublik und USA zu bereisen. 1988 veröffentlichte er so gemeinsam mit Heiner Müller im „Volk und Welt“-Verlag einen Bildband über New York.

Ab 1972 war Fischer immer wieder als Dozent und Lehrbeauftragter angestellt, unter anderem an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, an einer Hochschule in Dortmund und schließlich auch in Berlin. Dort lebte er bis zu seinem Tod im nahegelegenen Gransee.

Die Lomografie

Unter Lomografie versteht man eine gewisse Stilrichtung beim Fotografieren, nämlich das „lässige“ Fotografieren von Schnappschnüssen – mit professioneller Fotokunst hat die Lomografie also zunächst nichts zu tun. Der Begriff kommt von der Kleinbildkamera „Lomo Compact Automat“, kurz LC-A, die in der ehemaligen Sowjetunion die einzige Kamera mit Sucher und Innenlichtmessung war. Die Idee hinter der Kamera war, dass jeder Bürger der Sowjetunion seine eigene Kamera besitzen sollte, um die Schönheit seines Landes festhalten zu können. Wirklich wurde die Kamera, die nicht gerade sehr zuverlässig arbeitete und eine ziemlich schlechte Bildqualität hatte, millionenfach verkauft.

Dennoch gibt es eine Kunstform der Lomografie. Im Juni 1992 wurde die „Fotoinitiative Lomographische Gesellschaft“ in Wien gegründet. Ihr Ziel war es, einen neuen, ungeplanten Blick auf die Welt durch schnelle und unüberlegte Schnappschüsse zu bekommen. Diese bunten Fotos wurden dann auf großen Stellwänden, so genannten Lomowänden, ausgestellt. Obwohl die LC-A bereits in den 90iger Jahren technisch veraltet war, wurde sie durch den Lomografie-Boom bis 2005 produziert. Auch neue Kameratypen mit Vierfach- bis Neunfachobjektiven oder Fischauenobjektiven wurden entwickelt. Mittlerweile existieren überall auf der Welt lomografische Gesellschaften. 

Ein neuer Trend, der sich aus der Lomografie entwickelt hat, ist die so genannte Digigrafie – also Schnappschnüsse mittels preiswerter Digitalkameras. Oft finden sich im Internet digitale Fotoblogs, die das Erbe der Lomografie weitertragen. Doch für traditionelle Lomografie-Künstler kommt es natürlich nicht in Frage, auf den analogen Charme der alten Kameras zu verzichten. Wichtiges Merkmal der Lomografie ist schließlich, technisch unausgereift zu sein und übertrieben bunte, recht verwackelte Fotos zu schießen. Am besten eignet sich dafür eine schlechte 32-Millimeter-Weitwinkeloptikel, die besonders kontrastreiche und farbenfrohe Bilder liefert. Auch die Modelle mit Mehrfachobjektiven erfreuen sich unter Lomografie-Profis großer Beliebtheit, da sie in kurzem Zeitabstand direkt mehrere Bilder knipsen und so direkt mehre Aufnahmen des gleichen Motivs entstehen.

Politik und Kunst: Der Fotograf Alexander Rodtschenko

Alexander Rodtschenko (1896-1956) ist ein sowjetischer Fotograf der etwas anderen Art. Er war Maler, Bildhauer, Grafiker und eben Fotograf, der die Fotografie in ein neues Zeitalter gebracht hat. Der Konstruktivismus war das Maß seines Handels. So wurden das Bewusstsein, die Erfahrung, das Ziel, Mathematik, Technik, Industrie und Konstruktion groß geschrieben.

Rodtschenko selbst verstand sich als einen Künstler-Ingenieur, der jeden malerischen Aspekt in seiner Fotografie überwinden wollte, der zu seiner Zeit noch sehr verbreitet war. Die Fotografie soll sich revolutionieren, denn die Welt habe sich auch revolutioniert. Mehrgeschossige Häuser, Werkanlagen, Fabriken, Massenaufmärsche seien nur mit den Mitteln der Fotografie ins richtige Bild zu bringen.

Das besondere an Rodtschenkos Fotografien sind die verschiedensten Auf- und Untersichten, die durch perspektivische Verkürzungen entstehen. Er arbeitete mit Diagonalen, mit extremen Nahaufnahmen und ungewohnten Bildausschnitten. So ist beispielsweise das Bild „Trompetender Pionier“ zu nennen. Von ganz unten und ganz nah sieht man den Mann. Das Kinn, die Trompete, die blasenden Backen und die nahezu geschlossenen Augen sieht man aus einem Winkel, der einen erstmal skurril erscheint. Noch heute, mehr als 80 Jahre nach dem Aufnehmen, rufen diese Bilder bei dem Betrachter noch Erstaunen und Bewunderung hervor.

Mittlerweile gelten Aufnahmen dieser Richtung als formalistisch und dekadent. Solche Ausdrücke hätten zu Rodtschenkos Zeit zu einer Verurteilung führen können. Rodtschenko selbst wurde nie verurteilt, bliebt aber auch ausschließlich als Fotoreporter tätig. Er dokumentierte Sportanlässe, Paraden der Roten Armee, Massenveranstaltungen und Zirkusvorstellungen. Hier spielt er weniger mit verschiedenen Perspektiven, sondern mehr mit Unschärfen. Eine seiner Reportagen über den Bau des Weissmeer-Ostseekanals von 1933 wirkt äußerst distanziert. Die Arbeiter, darunter viele Häftlinge, wirken eher wie Ameisen. Hier wird niemand deutlich und ausdrücklich gezeigt.

W. Eugene Smith

Wer ist eigentlich W. Eugene Smith? So oder so ähnlich stellen sich bestimmt viele die Frage. Muss man ihn kennen? Die Antwort ist, definitiv ja. Und das nicht nur weil seine Fotografien in Berlin im Martin-Gropius-Bau ausgestellt werden, sondern weil er tatsächlich fantastische Bilder machte.

Der Künstler, der bereits vor über 30 Jahren verstorben ist, fesselt noch immer die Menschen mit seinen Bildern, die sich auf der Suche nach der Wahrheit befinden. So hat es W. Eugene Smith einmal beschrieben. Er war ein politisch und sozial engagierter Fotograf, der in den 40er bis 50er Jahren ganz neue Maßstäbe der Fotojournalistik setzte. Vom 25.09.2011 bis zum 27.01.2011 zeigt der Martin-Gropius-Bau mehr als 200 Bilder des Fotografen und Künstlers.

Foto von W.E. Smith, Foto: arquitetando_flickr

Foto von W.E. Smith, Foto: arquitetando_flickr

Schon früh war für den Studenten der Fotografie an der University of Notre Dame und am New York Institute of Photography klar, dass es für ihn nichts anderen geben wird als die Fotografie. Der talentierte W. Eugene Smith veröffentlichte bereits nach seinem Studium Aufnahmen in den bekanntesten Magazinen wie der ‘Time’ oder auch der ‘Life’. Später arbeitete er als Kriegsfotograf. Diese Arbeit brachte ihn an Orte, an die kein Mensch freiwillig möchte. Anstatt den Krieg und die Kämpfe abzubilden, schoss Smith das Leid der Menschen und löste auf der ganzen Welt Gefühle aus.

Das besondere an der jetzigen Ausstellung in Berlin ist die Auswahl seiner Arbeiten. Hier finden sich viele unbekannte Bilder, die Smith zu seinen Lebzeiten nicht berücksichtigt hatte. Zu dieser Auswahl zählen die Bilder ‘Pittsburgh’ (1955) und ‘Hebamme’ (1951), so wie viele weitere Serien von W. Eugene Smith. Eine seiner ausgiebigsten Serien ist ‘Das spanische Dorf’, in der das Leiden der Menschen in Spanien nach dem Krieg aufgezeigt wird.

Diese Retrospektive des einzigartigen Künstlers ist eine Erfüllung für die Augen und den Geist.