Porträt: Boris Mikhailov
Die Berlinische Galerie widmet dem ukrainischen Künstler Boris Mikhailov eine große Retrospektive: Der bewegte Lebensweg des Fotografen und Künstlers zwischen Charkov und Berlin ist mehr als nur einen Besuch wert.
Denn seit Mitte der 90iger Jahre pendelte der Künstler immer wieder zwischen seiner Geburtsstadt und Berlin hin und her. Vor sechs Jahren erhielt er schließlich ein Visum und zog komplett in die deutsche Metropole. Noch immer lebt er in Wilmersdorf, deutsch spricht er allerdings bis heute nicht. Seine Fotografien werfen einen kritischen und humanistischen Blick auf eine Gesellschaft im freien Fall, die Decadence des ehemaligen Sowjet-Regimes und den konkreten Auswirkungen auf die Bürger. Seine Bilder zeigen gezeichnete Charaktere, Alkoholiker, Obdachlose, Menschen, die eigentlich längst aufgegeben haben, vor der Kamera aber eben doch noch einmal das Gegenteil beweisen wollen. Diese Aufnahmen, die zugleich persönliche Größe und Verfall, Würde und Verlorenheit einfangen, machten Mikhailov weltberühmt und führten ihn zu zahlreichen Ausstellungen im Ausland. Diese Fotografien haben gute Chancen, bald als Klassiker der Fotografie zu gelten. Nicht umsonst wurden sie mehrfach mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet.
73 Jahre ist der gebürtige Ukrainer mittlerweile alt. Seine “Krankengeschichte” von damals ist abgeschlossen, nun widmet er sich unter dem Motto “In the Street” den Berlinern. Seine aktuellen Werke zeigen typische West-Pärchen, Stehkaffee und geblümte Hosenanzüge und Gesundheitsschuhe: Wüsste man nicht, dass sie aktuell sind, würde man sie für Fotos aus den 70iger Jahren halten.
Und in der Tat steckt hinter seinem aktuellen Projekt wieder mehr Sozialstudie und Spurensuche, als man zunächst vermutet. Als nächstes möchte er “In the Street” im Ostteil Berlins weiterführen. Die Ausstellung läuft noch bis Ende Mai, am 30. Februar ist um 19 Uhr die feierliche Eröffnung.
