Helmut Newton und seine Polaroids

Helmut Newton, Foto: bsg images_flickr

Helmut Newton, Foto: bsg images_flickr

Nicht etwa dem Newton, der uns in der Schule im Physikunterricht mit seiner Theorie der Gravitation genervt hat, ist eine Ausstellung in der Deutschen Hauptstadt Berlin gewidmet, sondern einem ganz anderen Künstler, der uns nicht genervt, sondern eher mit seinen Fotografien begeistert hat. Isaac Newton begeisterte dann nur die Physiklehrer – Helmut dagegen mit seinen Polaroids, die derzeit im Berliner Museum für Fotografie ausgestellt werden.

Seit den Siebziger Jahren machte er mehr als über 1000 Fotografien, allesamt mit einer Polaroidkamera, die dann nicht zu stark versteinert sondern lebendig aussahen. Er fotgrafierte aus dem Leben, dokumentierte seine Eindrücke bis zu seinem Tod 2004. In den Polaroids setzte er nicht wie sonst auf Inszenierungen, sondern stellte das was auf den Fotos geschah, genauso da, wie es eben passiert ist.

Unzählige Mode- und Magazinaufnahmen machte der Starfotograf. Er liebte das Detail und deswegen war seine Perfektion in den Fotoshootings für die Models meist unerträglich. Oft aber machte er dann noch Fotos – eben mit seiner Polaroidkamera – sozusagen vom „Making of“ des Sets und des Fotoshootings.

Im Berliner Museum für Fotografie werden jetzt rund 300 Exemplare ausgestellt. Auf diesem Fotos sieht man Helmut Newton einmal in einem ganz anderen Licht. Nicht im Licht und im Drang der Perfektion, sondern aus einer Perspektive, die für ihn ganz ungewöhnlich ist. Damals, 1992, stellte er selbst schon einmal seine Einstellung zur simplen Fotografie via Polaroidkamera vor und erntete damals Kritik. Mittlerweile sind andere Fotografen ebenfalls auf die Schliche der nicht perfekten Fotos gekommen. Verpixelt, zu wenig Licht und trotzdem strahlen manche solcher Fotos mehr aus als die klaren, schnörkellosen Modefotos.

Und so bezahlt man schnell mehr als 20.000 Dollar für eines seiner Polaroidfotos. Zumal das Zeitalter der Digitaltechnik der alten Techniketwas Unikates gibt. Und so sind die Polaroidfotos von Helmut Newton wertvoll geworden. Damals, als Newton noch lebte, benutzte er als Gastgeber die Polaroidbilder als Platzkarten – mit persönlicher Widmung. Glücklich darf sich also der schätzen, der die Fotos auch schon damals geschätzt hat und vielleicht das Glück hatte, bei einen seiner Partys dabei zu sein.

Joel Sternfeld-Ausstellung in Essen

Joel Sternfeld ist uns in Deutschland erstmal nicht unbedingt ein Begriff. In Amerika gilt er aber als einer der größten Chronisten seiner Zeit, der vom seinem Traum der Freiheit und dem Glauben an die Zukunft mit seinen Fotografien erzählt.

1978 bekam der talentierte Joel Sternfeld ein Stipendium vom Guggenheim Museum und reiste mit seinem VW-Bus durch die Vereinigten Staaten, um seine Eindrücke mit einer Großbildkamera fest zu halten. Er stellte sich die Frage, ob die Amerikaner nach Vietnam, Watergate und Präsident Nixon ihre Unschuld verloren hatte.

Insgesamt neun Jahre arbeitete er an seinem Projekt und fuhr weiter durch die USA. Er fing Bilder ein, die das Bröckeln der Fassade der Menschen einfing, deren Seele aber noch vorhanden war. Es sind klassische Motive, die er zeigt. Beispielsweise hat er einen Feuerwehrmann fotografiert, die auf dem Markt einen Kürbis für seine Familie aussucht, während im Hintergrund eines der typischen amerikanischen Holzhäuser in Flammen steht. Solche Motive sind für Sternfeld typisch. In den Photos findet man den Amerikanischen Traum von Freiheit und Unabhängigkeit, vom Eigenheim, vom Glaube an die Zukunft, an Wohlstand und Neuerung immer wieder. Irgendwie wird immer die Natur mit eingebracht, was zeigen soll, dass diese immer dominieren wird, auch wenn die Gesellschaft noch so fortschrittlich ist.

Der mittlerweile 67-jährige New Yorker beherrscht das Farbenbild perfekt. Er beherrscht das Spiel mit den Farben so, dass nichts in den Vordergrund tritt und andere Details im Bild verschwinden. Das Bild bleibt in seiner Gesamtheit komplett erhalten.

Zur Zeit findet eine seiner Ausstellung im Essener Museum Folkwang statt, die zu seinen persönlichsten in seiner Karriere gezählt werden kann.  

Fotoausstellung “Much like Zero”

Foto-Quelle: Flickr/Jürg

Foto-Quelle: Flickr/Jürg

Shirana Shahbazi zeigt ihre neue Ausstellung „Much like Zero“ im Fotomuseum in Winterthur, nicht weit von ihrer neuen Heimat Zürich. Nach Zürich ist sie schon während ihres Studiums gezogen, nachdem sie in Dortmund studiert hatte. Die gebürtige Iranerin verbindet mittlerweile in ihren Fotografien abstrakte und figurative Ideen.

Auf dem Bild „Frucht“ ist ein knallroter Apfel mit einigen Blättern zu sehen. Der Hintergrund besteht aus einer abstrakten Gelben Raumecke. Denkt man sich den Apfel weg, dann sieht man nur die gelbe Ecke – ein Mosaik aus Flächen. Mit dem Apfel ist es jedoch ein nahezu klassisches Stillleben. Die Abstraktheit ist jedoch so präsent, wie ein zweites, eigenständiges Bild.

Diese Ausstellung von Shirana Shahbazi zeigt, wie sehr die Grenzen zwischen bildlicher und abstrakter Ebene verlaufen. Mittlerweile beschäftigt sie sich schon seit zehn Jahren mit dieser Art der Fotografie. So hat sie in diesem Jahr zwei ganz besondere Bilder angefertigt. Einem Bild aus vielen verschiedenen mosaikartigen, bunten Flächen steht ein anderes, ähnliches Bild gegenüber. Hier liegen auf dem mehrfarbigen Untergrund zwei dreidimensionale Kugeln, die den Betrachter förmlich anspringen, weil das Auge noch durch das Vorherige Bild an die Flachheit gewöhnt ist. So fühlt man nun förmlich die Kugeln.

Bekannt geworden ist Shahbazi eigentlich durch Portraits und Straßenansichten ihrer Heimat. In ihren Arbeiten experimentierte sie schon mit Landschafts-und Stadtbildern, mit Stillleben, Porträts, Historienmalerei und Wandteppichen. Diese Wandteppiche lässt sie von besonderen Webern knüpfen. Mit anderen Arbeiten ging sie auch schon ähnlich vor. Sie ließ da ihre Fotografien als Poster drucken und dann in schwarzweiß kopieren und zu Bildteppichen verknüpfen. Durch das Abmalen iranischer Porträts, imitierte sie die Form der Werbemalerei, die hierzulande nahezu ausgestorben ist.