Nackheit als Rebellion

© Axel Lauer - Fotolia.com

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Das Jahr 2011 ist das Jahr der Rebellion. Es wird demonstriert und gekämpft. Freiheit steht an erster Stelle. Nun unterstützen Menschen die Ägypterin Alia al-Mahdi und den Chinesen Ai Weiwei auf eigene besondere Art und Weise – nackt. 

Bislang bestehen zwei Aktfotografien, die nicht überall positive Reaktionen auslösen. Die ägyptische Bloggerin Alia Magda Al-Mahdi und der chinesische Künstler Ai Weiwei haben Nacktaufnahmen von sich und anderen Menschen online gestellt.  Der Künstler und die Unabhängigkeitskämpferin wurden sowohl bedroht als auch verhört. Neben der Empörung ernteten die Beiden auch Solidarität, indem Menschen aus der ganzen Welt Nacktfotos von sich selbst ins Internet setzten. 40 Israelinnen zogen ihre Kleider aus und machten Nacktaufnahmen von sich, die sie öffentlich machten. Auf einem Banner stand in arabischer, hebräischer und englischer Sprache: ‘Love without Limits. Homage to Aliaa Elmahdi. Sisters in Israel.’ Im Hintergrund der Fotografien hing ein Plakat, auf dem folgender Satz zu sehen war: ‘ Show you are not afraid!’  Übersetzt heißt dies: ‘Zeige, dass du keine Angst hast!’

Ausgedacht hat sich Rudolph W. Giuliani diesen Satz des Protestes. Im Jahr 2001, nach dem Attentat auf die Twin-Towers, forderte der ehemalige Bürgermeister von den Menschen, sie sollen keine Angst haben oder zeigen. Er forderte die Menschen auf in Freiheit zu leben und sich diese durch einen Terroranschlag nicht nehmen zu lassen. 

Das Plakat ist von Mikael Mikael nun online gestellt worden. Jeder kann diesen Satz ausdrucken,  dokumentieren und wieder hochladen. Es geht um Aufmerksamkeit, darum, seine Meinung öffentlich kund zu tun und die Gesellschaft zu bewegen. Es gab bereits Aufnahmen des Neubaus des Bundesnachrichtendienstes aus Berlin und im Olympiadorf in München. Alles Orte, die Zweispalt erwecken. 

Die Nacktheit der Bilder zeigt die Verletzlichkeit und die Intimität der Menschen dar. Es scheint nicht neu zu sein, seine Nacktheit im Protest auszudrücken, doch im Gegensatz zu den Aktionen der ukrainischen Frauengruppe Femen, die sich auf öffentlichen Plätzen auszieht, um für Frauenrechte zu kämpfen, begeben sich Al-Mahdi und Weiwei damit in Lebensgefahr. 

Die US-Konzeptkünstlerin Taryn Simon

Taryn Simon, Foto von Hubert Burda Media/flickr.com

Taryn Simon, Foto von Hubert Burda Media/flickr.com

Die US-Konzeptkünstlerin Taryn Simon stellt zurzeit in der Neuen Nationalgalerie in Berlin ihr neustes Werk aus. Dabei handelt es sich um den Fotozyklus “A Living Man Declared Dead” welchen sie sich über 4 Jahre lang erarbeitete. Dabei zeigt sie in 18 Kapiteln mit Hilfe von Fotos und Texten verschiedene Geschichten auf der ganzen Welt. 

Unter anderem geht es zum Beispiel um Menschen in Tansania, die aufgrund einer Erbkrankheit als Albinos gelten. Diese werden von den anderen Menschen gejagt, da ihre Körperteile und Organe als magisch gelten und heilige Kräfte haben sollen. Bei einem anderen Kapitel geht es um Kaninchen. Genauer gesagt um die Kaninchen welche 1859 zu Jagdzwecken nach Australien gebracht wurden und sich dort unerwarteter Weise explosionsartig vermehrten. Nun sollen selbst gezüchtete Viren dafür sorgen, dass die Kaninchen sterben und man somit die Population kontrollieren könne. Ein drittes Beispiel dürfte zugleich der Namensgeber für die Ausstellung sein. Dabei handelt es sich um einen Mann welcher bei einer öffentlichen Grundbucheintragung stutzt, da er genau wie seine beiden Brüder schon lange für tot erklärt ist. Grund dafür war die Habgier seiner Verwandten, welche einfach mehr erben wollten und sie somit auf dem Papier aus dem Weg schafften.

Diese und noch 15 weitere Geschichten sind nun in Berlin vom 22. September bis 1. Januar 2012 zu bestaunen. Das erstaunlichste an den Bildern ist, dass Simon nicht etwas versucht zu schockieren, sondern viel mehr beiläufig durch ihre nüchternen Fotos aufklären möchte um somit den Menschen zu zeigen wie es auf der Welt unter anderem zugeht.

Diese Ausstellung ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Ein weiterer Grund dafür ist, dass Simon diese Studie über 4 Jahre betrieb und somit bei allen Geschehnissen über einen längeren Zeitraum bzw. mehrmals anwesend war und somit auch tatsächlich einen Einblick in diese Welt bekam.

Der Fotograf Arno Fischer

Quelle: johann_wolfgang/Flickr.com

Quelle: johann_wolfgang/Flickr.com

Der Berliner Fotograf Arno Fischer ist tot: Er verstarb am Dienstag, den 13. September, im Alter von 84 Jahren. Gemeinsam mit seiner Frau Sibylle Bergemann, die im letzten Jahr verstorben ist, und dem seit drei Jahren toten Roger Melis gehört er zu den bedeutendsten Fotografen der ehemaligen DDR. Bis zu seinem Tod blieb der gebürtige Berliner seiner Leidenschaft, der Fotografie, treu: Er arbeitete an der privaten Fotoschule „Fotografie am Schiffbauerdamm“, die er gemeinsam mit seiner Frau kurz nach dem Mauerfall gegründet hatte, und in der Ostkreuzschule für Fotografie.

Nach dem zweiten Weltkrieg studierte Fischer zunächst Bildhauerei, entdeckte aber Ende der 50er Jahre sein Interesse an der Fotografie. Ausschlaggebend dafür sollen die Ausstellung „Family of Man“ von Edward Steichen und das Buch „The Americans“ von Robert Frank gewesen sein. Obwohl er nie eine Ausbildung oder ein Studium in Fotografie absolvierte, wurde Fischer schnell berühmt und machte sich einen Namen in der Szene. Er arbeitete für die halblegale Zeitschrift „Das Magazin“, das es meist nur unter dem Ladentisch gab und viele künstlerisch orientierten Fotografen der ehemaligen DDR zusammenbrachte. Er steuerte auch Aufnahmen für das Modemagazin „Sybille“ bei, das einen hohen ästhetischen Anspruch an seine Fotografen stellte. Auch nach dem Mauerfall blieb er seiner Heimatstadt treu und konnte endlich seinen Bildband „Situation Berlin“ veröffentlichen, was unter dem politischen Druck in der ehemaligen DDR unmöglich gewesen war.

Da sich Fischer von offener Kritik am DDR-Regime zurückhielt und eher versuchte, seinen eigenen Realismus zu finden, kam er unter anderem in den Genuss, den gesamten Ostblock und schließlich auch die Bundesrepublik und USA zu bereisen. 1988 veröffentlichte er so gemeinsam mit Heiner Müller im „Volk und Welt“-Verlag einen Bildband über New York.

Ab 1972 war Fischer immer wieder als Dozent und Lehrbeauftragter angestellt, unter anderem an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, an einer Hochschule in Dortmund und schließlich auch in Berlin. Dort lebte er bis zu seinem Tod im nahegelegenen Gransee.

Helmut Newton und seine Polaroids

Helmut Newton, Foto: bsg images_flickr

Helmut Newton, Foto: bsg images_flickr

Nicht etwa dem Newton, der uns in der Schule im Physikunterricht mit seiner Theorie der Gravitation genervt hat, ist eine Ausstellung in der Deutschen Hauptstadt Berlin gewidmet, sondern einem ganz anderen Künstler, der uns nicht genervt, sondern eher mit seinen Fotografien begeistert hat. Isaac Newton begeisterte dann nur die Physiklehrer – Helmut dagegen mit seinen Polaroids, die derzeit im Berliner Museum für Fotografie ausgestellt werden.

Seit den Siebziger Jahren machte er mehr als über 1000 Fotografien, allesamt mit einer Polaroidkamera, die dann nicht zu stark versteinert sondern lebendig aussahen. Er fotgrafierte aus dem Leben, dokumentierte seine Eindrücke bis zu seinem Tod 2004. In den Polaroids setzte er nicht wie sonst auf Inszenierungen, sondern stellte das was auf den Fotos geschah, genauso da, wie es eben passiert ist.

Unzählige Mode- und Magazinaufnahmen machte der Starfotograf. Er liebte das Detail und deswegen war seine Perfektion in den Fotoshootings für die Models meist unerträglich. Oft aber machte er dann noch Fotos – eben mit seiner Polaroidkamera – sozusagen vom „Making of“ des Sets und des Fotoshootings.

Im Berliner Museum für Fotografie werden jetzt rund 300 Exemplare ausgestellt. Auf diesem Fotos sieht man Helmut Newton einmal in einem ganz anderen Licht. Nicht im Licht und im Drang der Perfektion, sondern aus einer Perspektive, die für ihn ganz ungewöhnlich ist. Damals, 1992, stellte er selbst schon einmal seine Einstellung zur simplen Fotografie via Polaroidkamera vor und erntete damals Kritik. Mittlerweile sind andere Fotografen ebenfalls auf die Schliche der nicht perfekten Fotos gekommen. Verpixelt, zu wenig Licht und trotzdem strahlen manche solcher Fotos mehr aus als die klaren, schnörkellosen Modefotos.

Und so bezahlt man schnell mehr als 20.000 Dollar für eines seiner Polaroidfotos. Zumal das Zeitalter der Digitaltechnik der alten Techniketwas Unikates gibt. Und so sind die Polaroidfotos von Helmut Newton wertvoll geworden. Damals, als Newton noch lebte, benutzte er als Gastgeber die Polaroidbilder als Platzkarten – mit persönlicher Widmung. Glücklich darf sich also der schätzen, der die Fotos auch schon damals geschätzt hat und vielleicht das Glück hatte, bei einen seiner Partys dabei zu sein.

Joel Sternfeld-Ausstellung in Essen

Joel Sternfeld ist uns in Deutschland erstmal nicht unbedingt ein Begriff. In Amerika gilt er aber als einer der größten Chronisten seiner Zeit, der vom seinem Traum der Freiheit und dem Glauben an die Zukunft mit seinen Fotografien erzählt.

1978 bekam der talentierte Joel Sternfeld ein Stipendium vom Guggenheim Museum und reiste mit seinem VW-Bus durch die Vereinigten Staaten, um seine Eindrücke mit einer Großbildkamera fest zu halten. Er stellte sich die Frage, ob die Amerikaner nach Vietnam, Watergate und Präsident Nixon ihre Unschuld verloren hatte.

Insgesamt neun Jahre arbeitete er an seinem Projekt und fuhr weiter durch die USA. Er fing Bilder ein, die das Bröckeln der Fassade der Menschen einfing, deren Seele aber noch vorhanden war. Es sind klassische Motive, die er zeigt. Beispielsweise hat er einen Feuerwehrmann fotografiert, die auf dem Markt einen Kürbis für seine Familie aussucht, während im Hintergrund eines der typischen amerikanischen Holzhäuser in Flammen steht. Solche Motive sind für Sternfeld typisch. In den Photos findet man den Amerikanischen Traum von Freiheit und Unabhängigkeit, vom Eigenheim, vom Glaube an die Zukunft, an Wohlstand und Neuerung immer wieder. Irgendwie wird immer die Natur mit eingebracht, was zeigen soll, dass diese immer dominieren wird, auch wenn die Gesellschaft noch so fortschrittlich ist.

Der mittlerweile 67-jährige New Yorker beherrscht das Farbenbild perfekt. Er beherrscht das Spiel mit den Farben so, dass nichts in den Vordergrund tritt und andere Details im Bild verschwinden. Das Bild bleibt in seiner Gesamtheit komplett erhalten.

Zur Zeit findet eine seiner Ausstellung im Essener Museum Folkwang statt, die zu seinen persönlichsten in seiner Karriere gezählt werden kann.  

Fotoausstellung “Much like Zero”

Foto-Quelle: Flickr/Jürg

Foto-Quelle: Flickr/Jürg

Shirana Shahbazi zeigt ihre neue Ausstellung „Much like Zero“ im Fotomuseum in Winterthur, nicht weit von ihrer neuen Heimat Zürich. Nach Zürich ist sie schon während ihres Studiums gezogen, nachdem sie in Dortmund studiert hatte. Die gebürtige Iranerin verbindet mittlerweile in ihren Fotografien abstrakte und figurative Ideen.

Auf dem Bild „Frucht“ ist ein knallroter Apfel mit einigen Blättern zu sehen. Der Hintergrund besteht aus einer abstrakten Gelben Raumecke. Denkt man sich den Apfel weg, dann sieht man nur die gelbe Ecke – ein Mosaik aus Flächen. Mit dem Apfel ist es jedoch ein nahezu klassisches Stillleben. Die Abstraktheit ist jedoch so präsent, wie ein zweites, eigenständiges Bild.

Diese Ausstellung von Shirana Shahbazi zeigt, wie sehr die Grenzen zwischen bildlicher und abstrakter Ebene verlaufen. Mittlerweile beschäftigt sie sich schon seit zehn Jahren mit dieser Art der Fotografie. So hat sie in diesem Jahr zwei ganz besondere Bilder angefertigt. Einem Bild aus vielen verschiedenen mosaikartigen, bunten Flächen steht ein anderes, ähnliches Bild gegenüber. Hier liegen auf dem mehrfarbigen Untergrund zwei dreidimensionale Kugeln, die den Betrachter förmlich anspringen, weil das Auge noch durch das Vorherige Bild an die Flachheit gewöhnt ist. So fühlt man nun förmlich die Kugeln.

Bekannt geworden ist Shahbazi eigentlich durch Portraits und Straßenansichten ihrer Heimat. In ihren Arbeiten experimentierte sie schon mit Landschafts-und Stadtbildern, mit Stillleben, Porträts, Historienmalerei und Wandteppichen. Diese Wandteppiche lässt sie von besonderen Webern knüpfen. Mit anderen Arbeiten ging sie auch schon ähnlich vor. Sie ließ da ihre Fotografien als Poster drucken und dann in schwarzweiß kopieren und zu Bildteppichen verknüpfen. Durch das Abmalen iranischer Porträts, imitierte sie die Form der Werbemalerei, die hierzulande nahezu ausgestorben ist.