Der Fotograf Arno Fischer
Der Berliner Fotograf Arno Fischer ist tot: Er verstarb am Dienstag, den 13. September, im Alter von 84 Jahren. Gemeinsam mit seiner Frau Sibylle Bergemann, die im letzten Jahr verstorben ist, und dem seit drei Jahren toten Roger Melis gehört er zu den bedeutendsten Fotografen der ehemaligen DDR. Bis zu seinem Tod blieb der gebürtige Berliner seiner Leidenschaft, der Fotografie, treu: Er arbeitete an der privaten Fotoschule „Fotografie am Schiffbauerdamm“, die er gemeinsam mit seiner Frau kurz nach dem Mauerfall gegründet hatte, und in der Ostkreuzschule für Fotografie.
Nach dem zweiten Weltkrieg studierte Fischer zunächst Bildhauerei, entdeckte aber Ende der 50er Jahre sein Interesse an der Fotografie. Ausschlaggebend dafür sollen die Ausstellung „Family of Man“ von Edward Steichen und das Buch „The Americans“ von Robert Frank gewesen sein. Obwohl er nie eine Ausbildung oder ein Studium in Fotografie absolvierte, wurde Fischer schnell berühmt und machte sich einen Namen in der Szene. Er arbeitete für die halblegale Zeitschrift „Das Magazin“, das es meist nur unter dem Ladentisch gab und viele künstlerisch orientierten Fotografen der ehemaligen DDR zusammenbrachte. Er steuerte auch Aufnahmen für das Modemagazin „Sybille“ bei, das einen hohen ästhetischen Anspruch an seine Fotografen stellte. Auch nach dem Mauerfall blieb er seiner Heimatstadt treu und konnte endlich seinen Bildband „Situation Berlin“ veröffentlichen, was unter dem politischen Druck in der ehemaligen DDR unmöglich gewesen war.
Da sich Fischer von offener Kritik am DDR-Regime zurückhielt und eher versuchte, seinen eigenen Realismus zu finden, kam er unter anderem in den Genuss, den gesamten Ostblock und schließlich auch die Bundesrepublik und USA zu bereisen. 1988 veröffentlichte er so gemeinsam mit Heiner Müller im „Volk und Welt“-Verlag einen Bildband über New York.
Ab 1972 war Fischer immer wieder als Dozent und Lehrbeauftragter angestellt, unter anderem an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, an einer Hochschule in Dortmund und schließlich auch in Berlin. Dort lebte er bis zu seinem Tod im nahegelegenen Gransee.
